Ein Österreicher in der besten Liga der Welt

Alex Berger gewann letzte Saison das Triple in der italienischen A1, die von vielen als beste Volleyballliga der Welt gehandelt wird. Nationalteamkollege Philipp Kroiss hat ihm für www.neunmalneun.at ein paar Fragen über seinen momentanen Höhenflug und den Weg dorthin gestellt.

 

 

 

Wie geht es dir im Moment? Du hast dir beim Nationalteam den Rücken verletzt. Aus den anfangs prophezeiten paar Tagen Pause wurden Wochen. Was ist passiert?

 

 

Wie du ja schon angesprochen hast, habe ich mich unmittelbar vor dem ersten EM-Qualifikationsspiel gegen Kroatien am Rücken verletzt. Während einer Kniebeuge im Krafttraining habe ich einen stechenden Schmerz im Rücken verspürt, sodass ich mit der Rettung ins Krankenhaus Steyr transportiert wurde. Die Untersuchungen samt Röntgen und Ultraschall ergaben nicht wirklich Aufschluss, also musste weiter gehandelt werden. Dank des Einsatzes des ganzen ÖVV (inklusive Peter Kleinmann), der wirklich alles in seiner Macht stehende getan hat, damit ich einen MR-Termin bekomme, konnte die Art der Verletzung vollkommen zugeordnet werden. Ich zog mir eine Muskelverletzung und eine Bandscheibenvorwölbung im Lendenwirbelbereich zu. Dank perfekter Betreuung war ich wieder schnell auf den Beinen – nur ein Einsatz war undenkbar. Mittlerweile bin ich schon in Perugia und arbeite an meinem Comeback.

 

 

 

Du bist nicht nur in der besten LIGA der Welt, die du letztes Jahr gewonnen hast, sondern darüber hinaus auch noch ein einem der besten TEAMS der Welt. Was war entscheidend, dass du es so weit gebracht hast? Inwiefern spielten das Mentale, richtige Entscheidungen und der Faktor Glück eine Rolle?

 

 

Für mich entscheidend war, dass ich wusste, was oder wohin ich wollte. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich im Jahr 2008 (nachdem Peter Gartmayer seine Karriere beendet hat und ich als möglicher Partner von Clemens Doppler in Frage kam) bei Red Bull einen dreitägigen Test durchlaufen habe. Unter anderem war auch die Zielsetzung dabei ein Thema, wo mir gesagt wurde, dass meine Ziele eventuell etwas zu hoch gesteckt sind. Der Meinung war ich allerdings nicht. (lacht)
Also ich hatte die Einstellung, dass Ziele NIE zu hoch gesteckt sein können, denn so lange ich ALLES diesem Ziel unterordne und dafür tue, kann ich nicht enttäuscht werden. Diese Denkweise verfolge ich noch heute und es tut mir gut.

 

 

Natürlich spielt auch die mentale Stärke eine große Rolle, welche nicht so einfach erlernt werden kann oder von heute auf morgen kommt. Es ist auch nicht ein Element, welches man sich im Training aneignen kann, denn die Wettkampfsituation ist wieder eine andere. Also braucht man so viele Wettkämpfe auf höchstem Niveau, wie nur möglich. Mentaltraining? Hat mir auch sehr viel geholfen. An dieser Stelle kann ich unseren Mentaltrainer Tom Schroffenegger weiterempfehlen.

 

 

Faktor Glück? Ich denke es passiert alles aus einem Grund und nicht, weil man Glück hat. Unser Spiel wird mittlerweile bis auf das kleinste Detail statistisch auseinandergenommen, das hat nichts mehr mit Zufall zu tun. Also da, wo ich im Moment bin, das ist Ergebnis von harter Arbeit und von ein bisschen Schicksal.

 

 

 

Dein Trainer ist der Italiener Bernardi, seines Zeichens Volleyballer des letzten Jahrhunderts. Welche drei Dinge waren die wichtigsten, die er dir als Coach beigebracht hat?

 

 

Eine gute Mannschaft braucht nicht nur 14 gute Spieler sondern auch einen Weltklasse-Trainer. Mein „Glück“ ist natürlich, dass Bernardi meine Position gespielt hat, dadurch kann er mir in so ziemlich jeder Situation helfen. Also aus rein technischer Sicht hat er mich sehr viel weitergebracht. Für mich beeindruckend war, wie sehr ins Detail die Gegner „zerlegt“ wurden in der Videoanalyse. Das hat mir sehr geholfen, das Spiel besser zu lesen und ich konnte viel besser sehen, auf was ich achten soll/muss.

 

 

 

Was macht für dich einen guten Außenangreifer aus?

 

 

Als Außenangreifer hat man, zusammen mit dem Zuspieler, sicherlich die meisten Ballkontakte (Annahme, Angriff, Block, Verteidigung, Service, ...). Also kommt es, meiner Meinung nach, auf das Gesamtpaket an. Logisch, es gibt jene Spieler die eher angriffsorientiert sind und jene, die annahmeorientiert sind. Doch für mich sollte ein Weltklasse-Außenangreifer nicht nur das Annehmen und das Angreifen auf hohem Niveau beherrschen, sondern auch im Bereich Verteidigung „Skills“ aufweisen. Denn im modernen Volleyball werden Spiele immer mehr durch die Feldabwehr entschieden.

 

 

 

Du spielst seit zwei Jahren an der Seite von Volleyballgrößen wie Zaytsev, De Cecco, Atanasijevic und Co. Wer von diesen fasziniert dich am meisten als Sportler und als Mensch?

 

 

Als ich vor zwei Jahren nach Perugia kam und neben Spieler stand, welche ich nur aus Youtube-Videos kannte, war es am Anfang etwas komisch, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, weil ich mit dem Schauen nicht fertig wurde. Das habe ich jedoch schnell abgelegt, nachdem wir die ersten Barbecues hatten, denn ich stellte fest, dass sie im Endeffekt nicht viel anders waren als ich. Und unter anderem hatten wir die gleiche Leidenschaft - das Volleyball.

 

 

Als Sportler und als Mensch hat mich Ivan Zaytsev fasziniert. Als Sportler, denn er ist ja DER Star in Italien, hat es sich aber nicht anmerken lassen. Er war immer der Erste in der Halle und der Letzte, der ging. Als Mensch, weil er eben ein Star ist und trotzdem mehr oder weniger am Boden geblieben ist und das hat mich unter anderem beeindruckt.

 

 

 

Und wer ist am verrücktesten?

 

 

Am verrücktesten (im positiven Sinne natürlich) ist mit Abstand Aleksandar Atanasijevic. Das kann man allerdings nicht beschreiben, man muss es erleben!

 

 

 

Die Italienische Liga gilt als die wahrscheinlich beste der Welt. Unterschreibst du das? Oder siehst du jene in Polen, Russland oder Brasilien als besser an?

 

 

Für mich gilt die Italienische Liga als die beste Liga der Welt, wenn man Folgendes beachtet: Olympische Spiele in Rio 2016: Gold gewann Brasilien, Silber gewann Italien und Bronze gewann USA. So, aus dem brasilianischen Team spielen zwei in Italien, aus dem italienischen Team spielen alle 14 in Italien und vom amerikanischen Team spielen 12 von 14 Spielern in Italien. Dieses Jahr kommen noch diverse Stars aus Kuba dazu, welche in Brasilien und Russland für Furore sorgten. Jene Liga in Polen, Russland oder Brasilien kann ich nicht beurteilen, weil ich (noch) nicht dort gespielt habe, nur vereinzelt in der Champions League gegen diverse Clubs spielen durfte.

 

 

 

Würden dich auch diese anderen Ligen reizen?

 

 

Reizen würden mich andere Ligen natürlich auch, allerdings bin ich im Moment in Italien mit der sportlichen Herausforderung und der Lebensqualität super happy.

 

 

 

Was war die größte Umstellung für dich, als du vor drei Jahren in die A1 kamst?

 

 

Die größte Umstellung war, dass die Liga unheimlich stark ist und man immer, auch im Training, an die Grenzen gehen muss. Weiters ist die Anerkennung von den Italienern nicht zu vergleichen mit der Aufmerksamkeit in Österreich. Es gibt riesige Fanclubs mit angepassten und abgestimmten Fangesängen. Von den Fans wird man regelmäßig zu Abendessen eingeladen. Einladungen, die man nicht alle einhalten kann, weil es die Zeit einfach nicht zulässt. Man wird auf der Straße erkannt. Man hat immer wieder Termine bei Sponsoren. Und es steht einzig und allein der Volleyball im Vordergrund. Also so ziemlich all das, was ein Sportlerherz begehrt.

 

 

 

Im Jänner könnten wir uns für die EM qualifizieren. Wie siehst du die Entwicklung unseres Nationalteams in den letzten Jahren? Was brauchen wir, um den nächsten Schritt zu machen?

 

 

Für die EM im nächsten Jahr haben wir alles selbst in der Hand. Was noch fehlt sind zwei Pflichtsiege gegen Albanien und Kroatien. Die Entwicklung sehe ich sehr positiv, weil wir immer mehr Spieler entwickeln, die im Ausland in guten Teams wichtige Rollen einnehmen. Was uns allerdings noch fehlt im Nationalteam, ist, dass wir die Erfahrung, die wir im Ausland sammeln, auf einen Nenner bringen und dass wir uns zutrauen mehr zu schaffen als nur die erfolgreiche EM-Quali.

 

 

 

Seit gut anderthalb Jahren bist du Papa. Hat sich das auf dein Sportlerleben ausgewirkt?

 

 

Das ist richtig. Mittlerweile bin ich seit 17 Monaten stolzer Papa einer bezaubernden Tochter. Es hat sich auf mein Sportlerleben insofern ausgewirkt, als dass ich gelernt habe, dass es auch noch wichtigere und schönere Dinge gibt als Volleyball. Unabhängig davon, dass Volleyball nach wie vor meine große Leidenschaft ist, gibt es nichts Schöneres, als in aller früh aufzuwachen und ein kleines Wunder lächelt dir entgegen. Das gibt einem natürlich noch mehr Energie und Lebensfreude.

 

 

 

Deine Frau Mirna hat im Schwimmen Bronze bei Olympischen Spielen geholt. Heute ist sie nicht mehr aktiv. Gibt sie dir trotzdem sportliche Tipps, die dir bereits geholfen haben?

 

 

Dass Mirna sehr erfolgreich war, ist bekannt und kein Geheimnis und zurückzuführen auf ein Ziel, dem ALLES untergeordnet wurde und das mit viel harter Arbeit verbunden war. Schwimmen hat zwar nicht so viel mit Volleyball gemeinsam, aber im Grunde sind beides Sportarten und es gibt meiner Meinung nach, für egal welchen Sport, nur drei Erfolgsrezepte: Willensstärke, Durchhaltevermögen und harte Arbeit. Natürlich bekomme ich Tipps, Ratschläge, oder Meinungen, wenn ich danach Frage – und das ist so ziemlich jeden Tag der Fall. (lacht)

 

 

 

Was ich schon oft gefragt wurde von Volleyballern: „Warum springt der Alex so hoch? Wie trainiert der?“. Gibt es dazu ein Geheimnis?

 

 

Ein Geheimnis für meine Sprunghöhe, wäre kein Geheimnis, wenn ich es weitererzählen würde. Nein, Spaß... Ich denke, es ist eine Mischung aus Gabe, viel viel Arbeit und Technik – von nichts kommt nichts.

 

 

 

Hast du schon Pläne für nach der Karriere? Was könntest du dir vorstellen? Hast du neben dem Volleyball weitere Leidenschaften?

 

 

Bevor ich meine große Leidenschaft Volleyball zum Beruf gemacht habe, war ich in der glücklichen Lage, mit einem weiteren Hobby, Geld zu verdienen. Ich durfte eine Ausbildung zum EDV-Techniker abschließen. Also wenn ich eines Tages meine Hallenschuhe auf den berühmten Nagel hänge, könnte ich mir vorstellen, wieder in diesem Bereich tätig zu sein. Ernsthafte Gedanken habe ich mir aber noch nicht gemacht, weil meine aktive Karriere hoffentlich noch ein bisschen dauern wird.

 

 

 

Du hast das Triple in Italien gewonnen, ein Champions-League-Finale gespielt, … hast du eigentlich noch konkrete Ziele und wenn ja, welche?

 

 

Mein oberstes Ziel ist, morgen besser zu sein als heute. Natürlich gibts da noch das eine oder andere, was ich erreichen möchte ... Die Champions League zu gewinnen zählt definitiv dazu.

 

 

 

Welche drei Menschen waren die wichtigsten auf deinem Weg zu einem Weltklassespieler?

 

 

Mein Weg zur Weltspitze war sehr lange, 17 Jahre um genau zu sein. Dies ist eine lange Zeit und da reichen bei Gott drei Menschen nicht aus. Aber die wichtigsten dabei waren:

 

 

Meine Frau Mirna, denn ohne ihre tagtägliche Unterstützung könnte ich nicht zehn Monate im Jahr „unterwegs“ sein und meinen Traum (eine Karriere als Profisportler) leben.

 

 

Meine weitere Familie (Eltern, Brüder) die mich einerseits zum Volleyball gebracht und andererseits immer gefördert haben.

 

 

Michael Warm; Als er mich damals 2011 eine Woche vor der EM „aussortiert“ hat, hat das in mir eine Art Trotzreaktion ausgelöst. Und natürlich auch als Trainer, da ich mittlerweile doch acht Sommer unter ihm trainiert und immer Neues gelernt habe.

 

 

 

Wärst du manchmal gern Beacher?

 

 

Es gibt sicher viele Vor- und Nachteile zwischen Beach und Halle. Für mich stimmt meine Karriere so wie sie verläuft beziehungsweise verlaufen ist. Was die Zukunft bringt, weiß nur der liebe Gott.

 

 

 

Was würdest du jungen österreichischen Volleyballtalenten, die zu dir aufschauen, mitgeben auf ihrem Weg?

 

 

Lasst euch von niemanden sagen, dass ihr etwas nicht könnt. Wenn ihr ganz fest an eure Träume glaubt und daran arbeitet, werden sie auch in Erfüllung gehen. Und steht immer einmal öfter auf, als ihr hinfällt.

 

 

 

 

 

Autor: Philipp Kroiss

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