Kleine Kinder - Kleine Sorgen, Große Kinder - Volleyball!

Volleyball-Nachwuchsarbeit aus der Sicht einer Mutter

Womit bringst du diese Überschrift in Verbindung?

 

Volleyball = Sorgen? Große Kinder sind anstrengend? Volleyball ist anstrengend?

 

„Warum tust du dir das an?" - Diese Frage ist mir nicht nur einmal gestellt worden. Das Anforderungsprofil für den Job Volleyball/Sport-Mutter ist vielfältig:

 

Gefühlte Millionen von Kilometern als Chauffeuse zu Trainings und Matches, Liter von Waschmittel für Dressen und Trainingsklamotten, stundenlange Analysen der Verhaltensweise von TrainerInnen und MitspielerInnen, unzählige Coachings zum Aufbau des Selbstwertes deiner Kinder. Motivatorin bei Leistungstiefs, Entertainerin und laut schreiender Groopie bei Wettkämpfen und Matches. Ernährungsfachfrau und Köchin zur Erreichung der gewünschten physischen Fähigkeiten (Größe, Muskelaufbau, etc.) und nicht zu vergessen: Versorgung des Vereinsbuffets mit Kuchen und anderen Leckereinen.

 

Dazwischen immer mit erhobenem Zeigefinger und den Worten: „Hast du schon Mathe/Englisch/Latein gelernt?“

 

Am Ende des Tages fragst du dich dann selbstkritisch – falls dich das nicht ohnehin dein Kind schon gefragt hat – warum stimmt die Leistung nicht im Sport/ in der Schule, warum hat er im Augenblick keinen Spaß, warum hat das Kind zu viel/zu wenig Gewicht, zu wenig Muskel an der richtigen Stelle, ja und natürlich: warum ist das ursprünglich weiße Trikot jetzt rosa?

 

Ich gebe es zu, das schaut auf den ersten Blick anstrengend aus.

 

Ist es auch.

 

Aber denk mal drüber nach, ob dir je wer versprochen hätte, Kindererziehung wäre ein Wellnessurlaub!

 

Die nicht enden wollenden Diskussionen "Sport oder Schule", "Sport geht immer zu Lasten der Schulleistungen“ oder "Was ist wichtiger, Bildung oder Sport?“ sind mir mehr als gut bekannt. Diese Diskussionen hatte ich immer und überall zu führen, mit LehrerInnen, anderen Eltern, Verwandten, Bloggern ;-) .

 

Sport als "Erziehungshilfe“ übernahm in meinem Leben eine wichtige Rolle. Durch die Unterstützung von TrainerInnen, Teams, SportlehrerInnen, TrainingskollegInnen und anderen Eltern erhielten meine Kinder die Möglichkeit, neben sportlichen, motorischen und koordinativen Fertigkeiten auch Verlässlichkeit, Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Ehrgeiz und Selbstvertrauen zu erlangen. Diese Werte erscheinen mir persönlich wichtiger als der höchste Schul- oder Ausbildungsabschluss.

 

Hätte nur eines meiner drei Kinder trotz vermeintlich zu vielen Sport- oder Volleyballtrainings einen Schulabschluss geschafft, würde ich vielleicht von "Zufall oder Glück gehabt“ sprechen. Nachdem es allerdings alle drei mehr oder weniger zu etwas gebracht haben - wie manche es so schön formulieren - (zweimal abgeschlossene Studien und einmal Matura in greifbarer Nähe – und das sogar mit dem "Handicap alleinerziehende Mutter ohne Matura") - , steht für mich fest, dass der Einfluss des Sportes nur ein positiver sein kann.

 

Abschließend halte ich fest, dass ich als Volleyball(Sport)-Mutter immer ausgelastet und sicher viele Male auch überlastet war. Ich hatte allerdings nie das Gefühl, es nicht zu schaffen. Die unzähligen Kilometer, Waschmittel, Nudeln und Nerven haben sich mehr als gerechnet. Heute darf ich mit Stolz auf sozial engagierte, sportliche, politisch interessierte und sogar gebildete Kinder blicken.

 

Danke Volleyball, danke Sport!

 

 

 

 

 

Autorin: Judith Zaller

Judith, 53 Jahre alt, ist ehemalige Volleyballerin (1.LVV) und heute engagierte Mutter in den Bereichen Organisation, Training und Betreuung.

 

 

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