Dan Kellum - Was Volleyball alles möglich macht

20 Jahre Volleyball in Amerika, neun Jahre internationales Profivolleyball, zwei Jahre Trainer in Österreich. Nur wenige können Dan Kellum in Sachen Erfahrung im Volleyball das Wasser reichen. Der heute 37-jährige Amerikaner hat viel erlebt und gesehen. Wohin ihn Volleyball überall gebracht hat und wie verrückt seine Volleyballreise war, das alles erzählte er Fabian Kriener in diesem Interview.

 

 

 

In einem Land, in welchem die Mehrzahl an Jugendlichen sich für Basketball und Football begeistern, hast du dich für Volleyball entschieden. Wie kam es dazu? Gib uns einen kurzen Einblick in die amerikanische Volleyballkultur.

 

Aufgewachsen in Michigan war Volleyball für mich jedes Wochenende ein absolutes Highlight. Meine Eltern hatten einen selbstgebauten Volleyballplatz im Garten, wo sich die ganze Nachbarschaft einmal in der Woche traf. Egal ob groß oder klein, jung oder alt, alle spielten miteinander und genossen Barbecue und Volleyball. Also begann für mich im bereits im Alter von vier Jahren die Liebe für diesen Sport. Ich erinnere mich gerne zurück an diese Zeit, ich konnte mich von Jahr zu Jahr verbessern und durfte damit immer öfters bei den Matches mitspielen. Meine ersten Vereinserfahrungen erlebte ich bei den Monroe Merchants in Michigan, ehe ich es gemeinsam mit einem Schulfreund beim Club Synergy Volleyball in Chicago versuchte. Da Chicago jedoch vier bis fünf Stunden entfernt war und wir beide noch zu jung waren um selbst zu reisen, fuhren wir einmal die Woche mit unseren Vätern mit dem Auto nach dorthin. Acht Stunden Autofahrt für zwei Stunden Volleyballtraining.

1895 wurde in Amerika der Volleyballsport erfunden und zwar in Holyoke (Massachusetts). Auf fast jeder Highschool und auch auf dem College gibt es eine Mädchenmannschaft, für Burschen gibt es deutlich weniger Möglichkeiten. 16.647 weibliche Spieler in 1064 Schulen zu 1.720 männlichen in 109 Schulen (Collegelevel). 2017 war Volleyball der am zweitmeisten ausgeübte Highschoolsport bei den Mädchen, nur Leichtathletik hatte mehr Teilnehmerinnen. Versuche eine professionelle Liga ins Leben zu rufen, scheiterten auf Grund von mangelndem Zuschauer-Interesse und Sponsorengeldern. Im Beachvolleyball sieht die Sache ganz anders aus. Die AVP-Tour zieht seit Jahren unzählige Massen an die Strände des Landes und verfügt außerdem über lukrative TV-Verträge. Die amerikanische Damen- und Herrennationalmannschaften spielen seit Jahrzehnten an der Weltspitze, egal ob auf Sand oder in der Halle.

 

 

Collegesport in Amerika ist höchst populär. An welchem College hast du gespielt?

Vergleiche den Stellenwert des Schulsports in den USA mit dem hier in Österreich.

 

Mit 20 Jahren erhielt ich ein Teilstipendium an der Loyola University in Chicago und somit die Möglichkeit Volleyball „auf dem nächsten Level“ zu spielen. Es waren für mich die ersten Erfahrungen mit einem professionellen Umfeld: Headcoach, zwei Co-Trainer, teameigener Physiotherapeut und Athletiktrainer, welcher nebenbei bemerkt Jahre später diese Funktion bei den Chicago Bulls in der NBA innehatte.

Die Wertschätzung, welche man als Collegesportler in den Staaten erhält, ist nicht vergleichbar mit der Situation in Österreich. Dort spielt man ein „normales“ Spiel vor 2000 jubelnden Fans, im besten Fall vor 5000-7000, welche dir lautstark den Rücken stärken. In Österreich ist eine solche Zuschaueranzahl selbst im Profibereich unvorstellbar. Außerdem gibt es den Hochschulsport in dieser umfangreichen und professionellen Art in Österreich überhaupt nicht.

 

 

Was waren deine sportlichen bzw. privaten Ziele nach deiner Collegezeit?

 

Sportlich war nach vier Jahren College erstmal Schluss, da es keine Profiliga in den USA gab und ich obendrein eine Auszeit vom Volleyball brauchte. Ich spielte für die nächsten drei Jahre nur mehr ab und zu, jedoch nie einem organisierten Team. Nach meinem Abschluss in Psychologie und Unternehmensführung zog ich nach Phoenix um dort meine eigene Firma mit Freunden aufzubauen. Wir kauften alte Häuser, renovierten sie, um sie dann wieder zu verkaufen. Das Geschäft lief wirklich gut bis ich von einem Kollegen böse ausgenutzt wurde. Das war ein herber Rückschlag. Ich hab mir Zeit genommen, nachgedacht und wusste schließlich, dass ich eine Veränderung brauchte. Ich wollte es mit Profivolleyball im Ausland versuchen, da es in Amerika wie gesagt nicht möglich war mit Volleyball Geld zu verdienen.

 

 

Wie hast du deinen ersten Profivertrag erhalten und was war deine erste Auslandsstation?

 

Als mir klar wurde, dass ich es mit dem Profivolleyball versuchen möchte, kontaktierte ich die Volleyball Agentur „Bring it Promotions“. Einige Zeit später erhielt ich die Info, ich solle für EIN Probetraining nach Europa, nach Slowenien fliegen. Anfangs war ich verwundert und dachte, es sei Scherz, doch als mir klar wurde, dass sie es ernst meinten, entschied ich mich meinen Rucksack zu packen, mein ganzes Geld zu nehmen und gemeinsam mit einem Volleyballkollegen dieses verrückte Abenteuer zu starten. Ich hatte keine Ahnung wann ich wieder nach Hause zurückkommen und wie es nach diesem Training weiter gehen würde. Ich war damals 27 und sprang ins kalte Wasser, besser gesagt sprang ich über den Atlantik. Wir landeten in Frankfurt.Vvon dort ging es weiter mit dem Zug nach Maribor und schließlich gleich in die Halle. Das Training verlief ganz gut, als ich jedoch nach der Einheit das Gespräch mit den Verantwortlichen von Maribor suchte, erfuhr ich, dass sie noch Zeit für die Entscheidung brauchen würden. Ich rief sofort meinen Agenten an, der organisierte uns ein erneutes Probetrainings, gleich am nächsten Tag in Opava, Tschechien. Also hieß es erneut in den Nachtzug und so schnell wie möglich nach Opava. Dass wir uns um alles selber kümmern mussten, machte die Sache nicht gerade einfacher. Nach dem Training erhielten wir beide einen Vertrag und waren ab sofort Teil der Mannschaft. 48 Stunden davor noch in den USA, nun Volleyballprofi in Tschechien und nicht in Slowenien.

 

 

Welche Länder hast du auf Grund von Volleyball noch kennengelernt?

 

In Tschechien gab es nach drei Monaten Unstimmigkeiten mit der Vereinsführung. Daraufhin bat ich meinen Manager, mich da rauszuholen. Kurze Zeit später war ich Teil eines finnischen Teams in Loimaa. Ich verbrachte hier zwei Jahre und genoss meine Zeit, abgesehen von den eisigen Temperaturen, wirklich sehr. Im kommenden Jahr spielte ich in Puerto Rico. Da es hier eine sehr kurze Saison gibt, verbrachte in den Rest des Jahres als Profi im Libanon. Dort wurde das Hauptaugenmerk auf „spektakuläres“ Volleyball gelegt. Die äußerst wohlhabenden Vereinsbesitzer wollen mit möglichst athletischen Spielern prahlen. Im Libanon konnten wir die Meisterschaft gewinnen, was sicher zu den sportlichen Höhenpunkten meiner Karriere zählt. 2010 ging es auf Grund einer Empfehlung eines Teamkollegen weiter nach Österreich. Erst Amstetten, später Enns, dann nochmals nach Amstetten und zuguterletzt ins Waldviertel, wo ich meine letzte Profisaison im Jahr 2015 absolvierte.

 

 

Bis heute lebst du in Österreich. Warum? Bist du dem Volleyballsport bis heute noch in irgendeiner Form treu geblieben?

 

Ich habe mich hier in Österreich verliebt zu der Zeit als ich noch in Amstetten gespielt habe. Heute bin ich seit knapp drei Jahren verheiratet und lebe mit meiner Frau und unserem zweijährigen Sohn in Amstetten. Volleyball begleitet mich aber immer noch, letztes Jahr als Coach der zweiten Mannschaft des VCA Amstetten und heuer als Damentrainer der 2.Bundesliga in Ybbs.

 

 

Was kann sich Österreich im Bereich Volleyball von den USA abschauen?

 

Bevor man speziell im Volleyball was verändert, müsste man den Stellenwert des Sportes in der Gesellschaft heben. Die sportliche Arbeit mit Kindern in den Schulen soll intensiviert werden, damit aktiver Sport Teil des täglichen Lebens wird. Teamsportarten sind grundsätzlich eine großartige Möglichkeit für junge Menschen, um zu wachsen und sich sozial weiterzuentwickeln.

 

 

Welche Pläne hast du für die Zukunft?

 

Ich würde gerne der Volleyballszene erhalten bleiben, um auch in Zukunft mein Wissen und meine Erfahrungen weitergeben zu können, da dieser Sport mir so unbeschreiblich viel ermöglicht hat. Ich weiß zwar noch nicht auf welche Art das sein wird und wohin es mich tragen wird, aber bis hierher war es eine tolle Reise.

 

 

 

 

 

 

Autor Fabian Kriener:

Fabian Kriener spielt seit einigen Jahren in der AVL Men. Diese Saison ist er bei UVC Weberzeile Ried unter Vertrag. Darüber hinaus ist er Teil des erweiterten Nationalteam-Kaders.

 

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