Warum will in Österreich niemand Trainer sein?

 

Was ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die erfolgreiche Entwicklung von Volleyballspielern? Gute, ausgebildete und engagierte Trainer. Und zwar nicht nur für die Nationalteams, nicht nur für die Bundesligavereine – nein, auch und vor allem für die vielen Amateurvereine in den Landesverbänden. Dort gibt es tausende Volleyballer und Volleyballerinnen, und viele davon mit theoretisch großem Potential. Doch das Ausschöpfen dieses Potentials hängt natürlich mit der Trainersituation zusammen. Und wie schaut die aus?

 

Ein typischer Verein in Oberösterreich, Freitag, 15.30 Uhr: Eine Spielerin der Damenmannschaft trainert die U11, U12 und U13 des Vereines. Warum kein Trainer? Es gibt keinen.

 

Um 17 Uhr kommt eine weitere Spielerin, und gemeinsam mit der Spielerin, die die ganz Kleinen trainiert hat, halten die beiden das Training der U17 und U19. Warum kein Trainer? Es gibt keinen.

Um 19 Uhr schließlich läuft das Damenteam selbst aufs Feld, mit ihrer Spielertrainerin, eigentlich ist sie nur Spielerin, aber irgendwer muss es ja machen. Warum kein Trainer? Es gibt keinen.

 

Das Potential des Nachwuchses des Vereines wäre riesig, der Club ist sehr engagiert, kooperiert mit Schulen und der Andrang zu den Nachwuchsteams ist groß. Um das Potential aber auch entwickeln zu können, würde es – ja, richtig, echte Trainer brauchen.

 

Die Spielerinnen und Spieler, die sich in ihren Vereinen zusätzlich noch bereiterklären, Trainings abzuhalten, verdienen großen Respekt – ohne sie gäbe es viele (Nachwuchs-)Teams überhaupt nicht. Aber die ideale Lösung ist das nicht. Ein Spieler ist kein Trainer. Ein Spieler kann spielen, aber niemanden trainieren (Ausnahmetalente gibt es selbstverständlich, die auch eine natürliche Begabung fürs Trainersein haben UND das unbedingt nötige Know-how in Bezug auf Volleyballlehre und Didaktik mitbringen, aber der Normalfall ist das nicht). Trainer zu sein muss man gelernt haben.

 

Aber darum geht es auch nicht in erster Linie – es geht um die Frage, warum sehr, sehr viele Vereine zumindest in Oberösterreich (hier kenne ich die Situation aus erster Hand) fast verzweifelt auf der Suche nach Trainern sind. Und das fast immer vergeblich. Ich selbst hätte für meine Damenmannschaft gerne eine Co-Trainerin. Und obwohl da der Arbeitsaufwand ja deutlich geringer ist, haben wir bis jetzt keine Chance, eine zu finden.

 

Warum? Das ist die große Frage. Warum?

 

Ist es das Geld? Es gibt immer noch Amateurvereine, die für Trainer kein Geld zahlen. Das ist nicht akzeptabel. Es geht ja nicht um Reichtum, aber wenn eine Trainerin für ein Training 15 oder 20 Euro bekommt, ist das immerhin eine Aufwandsentschädigung und ein Zeichen dafür, dass die Trainerarbeit geschätzt wird.

 

Ist es die Anerkennung? Trainer bekommen selten Anerkennung. Da würde manchmal schon ein „Danke“ vom Vereinsobmann reichen. Aber hey, als Trainer ist man nun einmal ein Einzelkämpfer, das hat auch sein Gutes und sollte man so akzeptieren. Dafür kann man Dinge gestalten und bestimmen. Und hat man eine tolle Mannschaft, ist das Lohn genug.

 

Ist es der Aufwand? Ja, das ist ein großes Thema. Sich über sein Team Gedanken zu machen, Spielphilosophie, Taktik, Strategie zu entwickeln, über die Technik nachzudenken, für seine Spielerinnen da zu sein, wenn es nötig ist, jeden Spieler seiner Persönlichkeit gemäß zu entwickeln, aber auch die Mannschaft als Ganzes zu formen, Konflikte auszuhalten und zu lösen, die Trainings vorzubereiten, zu den Spielen zu fahren, vielleicht einmal ein Trainingslager zu veranstalten … Trainersein ist ein Riesenaufwand. Da gehört schon extrem viel Leidenschaft dazu, um diese Zeit und die nötige Energie aufzubringen.

 

Auf der anderen Seite, wie oben schon erwähnt: Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, welch großartiges Gefühl und Erleben es ist, wenn man als Trainer eine Mannschaft hat, mit der es „einfach passt“. Wo alle zusammenhalten, wo ehrlich und offen Dinge an- und ausgesprochen werden, ohne dass es Streit gibt, wo jede Spielerin engagiert und motiviert ist, wo sich jede auf das, was du als Trainer machst, einlässt, wo man sich über gemeinsam Erreichtes und Siege freut und bei Niederlagen trotzdem zusammensteht. Trainersein ist toll. Wenn es passt. OK, wenn nicht, ist es scheiße. Aber das kann man riskieren. Wo es dir nicht gefällt, musst du ja nicht bleiben.

 

Wenn ich an die Mit-Teilnehmer denke, die ich bei all meinen Trainerkursen kennengelernt habe, sind das sicher 60 Leute. Davon sind vielleicht 20 Prozent aktive Trainer. Was ist mit den restlichen 80 Prozent?

 

Und damit sind wir bei der Ausgangsfrage: Warum will in Österreich niemand Trainer sein? Dieser Mangel ist in meinen Augen eines der größten Hindernisse auf dem Weg Österreichs zu einer richtig guten Volleyballnation.

 

Wie seht ihr das? Warum sucht fast jeder Verein nach Trainern und findet keine? Gilt auch für andere Bundesländer das, was für Oberösterreich gilt?

 

Ist diese Frage überhaupt so wichtig, wie ich sie einschätze? Und wenn ja – was kann man tun, um die Situation zu verbessern? Was müsste sich ändern, damit zum Beispiel DU überhaupt nur daran denken würdest, Trainer zu werden

 

Autor: Armin Fluch

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Christian Steidl (Dienstag, 06 November 2018 08:11)

    Danke für deine wichtigen und ehrlichen Worte Armin! Ich sehe es genauso. Ich bin Trainer in einem relativ großen Verein in Niederösterreich mit doch einigen Mannschaften. Auch bei uns gestaltet sich die Trainersuche sehr schwierig, vor allem in den höheren Klassen, weil hier auch der Aufwand (Training, Beobachtung, Taktik,..) viel größer ist.
    Wobei wir, im Vergleich mit anderen Vereinen, in der relativen glücklichen Lage sind auf einen großen Trainerpool zurückgreifen zu können. Bei uns sind ca. 15 Trainer aktiv, die jedoch, bis auf einen - alle aus dem eigenen Verein hervorgegangen sind.
    Wir hatten auch externe Trainer, die natürlich mehr kosten, diese haben aber oft nicht zu uns als Verein gepasst...
    Von diesen Trainern halten manche Trainer 1 Training in der Woche, manche 3 Trainings in der Woche, je nach verfügbarer Zeit. (Wir alle haben ja auch noch FullTime-Jobs und Familie...)

    Wir versuchen möglichst früh intern Trainernachwuchs zu finden bzw. ausbilden zu lassen (Übungsleiter, Instruktor,...) So betreuen bei unseren U11/U12 Turnieren, wo wir mit vielen Mannschaften an den Start gehen, Spieler/innen der älteren Teams bzw. Erwachsene die SpielerInnen. Das schafft Bindung und weckt bei dem einen oder anderen auch Interesse als Trainer tätig zu werden. Vielleicht nicht sofort, aber dann später.

    Nachdem wir uns als sehr ambitionierter "Hobby"-Verein an der Grenze zum Leistungsvolleyball verstehen, wir haben keine hauptamtlichen Trainer, bekommen alle Trainer eine Aufwandsentschädigung, ansonsten stehen alle im Berufsleben bzw. sind Studenten.
    Irgendwie - da gibt es kein Patentrezept - haben wir es geschafft aus (meiner) Generation alleine 4 Trainer zu "behalten", die sich auch 20 Jahre später noch gemeinsam im Verein engagieren, und so sind über viele Jahre doch einige Trainer geblieben bzw. dazugekommen.

    Aus meiner Sicht gelingt das nur durch gute Stimmung und viel Motivation/Engagement seitens des Vereinsvorstandes. Gemeinsame Aktivitäten sind hier äußerst wichtig, wir fahren z.B. mit ALLEN Mannschaften und mehr als 100 Personen gemeinsam auf Trainingslager.
    Wir sind hier sicher auch eine Ausnahme, ich kenne viele Vereine, wo vieles an einer oder zwei Personen hängt. Für den Breitensport bzw. beginnenden Leistungssport halte ich unseren Weg für gangbar, für den Leistungssport bedarf es sicher anderer Strukturen, diese muss man sich aber auch als Verein leisten können/wollen.
    Als Trainer in Österreich wird man sicher nicht reich (maximal an Erfahrung).
    Das ist eigentlich das Grundproblem: Auch gut ausgebildete Trainer (A-Lizenz) können nicht wirklich davon leben, das ist aber kein Problem des Volleyballs allein, sondern dies hat mit dem Stellenwert des Sportes in Österreich (ausg. Fußball und Skiflauf) zu tun.