Legionäre in der österreichischen Bundesliga – Heilsbringer oder Nachwuchsverhinderer?

 

Heute soll es wieder einmal einen kurzen Beitrag geben, der weniger großer Inhaltsbringer als vielmehr Diskussionsauslöser sein soll. Die Frage, um die es geht, wird teils sehr kontrovers betrachtet und lautet: Gibt es in der österreichischen Volleyball-Bundesliga (der Damen und Herren) zu viele Legionäre bzw. Legionärinnen?

 

Einige Fragen, Aussagen und Standpunkte dazu, ohne jede Wertung:

  • Es gibt Mannschaften, die auf Österreicher setzen, andere, die fast ausschließlich aus Legionären bestehen. Ist einer der beiden Wege besser? Erfolgreicher?
  • Die Herrenbundesliga wird von zwei Mannschaften mit hohem Legionärsanteil angeführt. Warum ist das so? Kann man in Österreich mit Eigenbauspielern keinen „Erfolg“ (wobei Erfolg natürlich immer auch eine subjektive Komponente hat) haben?
  • Es gibt Mannschaften, sowohl bei den Damen als auch den Herren, die ursprünglich auf den rein österreichischen Weg setzten. Und chronisch um den Abstieg spielten. Dann holte man Legionäre – und nun spielt man vorne mit. Wiederum die Frage: Reichen Eigenbauspieler nicht aus? Oder ist es einfach so, dass gute Österreicher/innen eben selbst den Legionärsweg, also den ins Ausland, suchen, und es somit zu wenige im eigenen Land verbleibende gibt?
  • Österreich selbst profitiert ja sehr von seinen eigenen Legionären, die zum Teil in internationalen Topligen spielen. Diese Spieler sind im Damen- und Herrennationateam meist die Leistungsträger.
  • Legionäre in der österreichischen Bundesliga können mit ihrer Erfahrung gute Vorbilder für die eigenen Jungen sein.
  •  Verhindern Legionäre Nachwuchsarbeit? Ist es einfacher, Legionäre zu kaufen als den harten Weg der Ausbildung eigener Spieler zu gehen? Gibt es eine Korrelation zwischen „hohem Legionärsanteil“ und „wenig Nachwuchsarbeit“ oder umgekehrt?
  •  In manch anderer Sportart gibt es eine vereinbarte Legionärsbeschränkung. Ist das sinnvoll?

Das waren eine Reihe von Fragen bzw. Aussagen zum Thema. Und jetzt seid ihr dran: Was meint ihr? Wie würdet ihr obige Aussagen sehen? Was ist eure Meinung zur Diskussion „Legionäre – ja oder nein“? Oder kann man das so pauschal gar nicht sagen?

Und los geht‘s! ;)

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Moamer Seta (Montag, 04 März 2019 15:19)

    Ich möchte mich gerne an dieser Diskussion aus zwei Blickwinkeln beteiligen. Zum einen blicke ich auf die Situation als Trainer einer Bundesligamannschaft, zum anderen als Lehrer mit 10 Jahren Unterrichtserfahrung im Jugend- und Jungerwachsenenbereich.
    Anfangen möchte ich mit der Sicht eines Lehrers auf die aktuelle Situation:
    Viele der talentierten Hoffnungsträger im österreichischen Volleyballsport gehen noch zur Schule, oder absolvieren eine Lehre. Bei ihren Vereinen der ersten oder zweiten Bundesliga bekommen sie wenig bis gar keine finanzielle Unterstützung. Dadurch bleibt Volleyball für sie nur ein Hobby, für das sie manchmal mehr, manchmal aber auch weniger Zeit investieren, je nach schulischer/beruflicher Belastung. Aus diesem Grund unterstütze ich jede(n) Spieler(in), welche(r) zugunsten der Schule auf das eine oder andere Training oder Spiel verzichtet, da die Ausbildung das spätere Fundament zum Schaffen eines gewissen Lebensstandards dienen soll. Mit Volleyball (vor allem als Eigenbauspieler) wird das in Österreich nicht möglich sein. Zu oft werden seitens der Vereine Eigenbauspieler als Selbstverständlich wahrgenommen, und zu selten wird ihr Einsatz über Jahre adäquat honoriert.
    Aus den oben genannten Gründen ist ein Leistungsmaximum für jede(n) Spieler(in) bereits vordefiniert, bevor er/sie überhaupt in den Erwachsenenbereich kommt, obwohl das Zeitpensum, das diese Spieler für Ausbildung und Sport investieren, mehr als enorm (!!!) ist.
    Aus Trainersicht muss man dann argumentieren, dass das Niveau, das mit solchen SpielerInnen dadurch später im Erwachsenenalter entsteht, einfach zu wenig ist, um in der ersten Liga sportlich konkurrenzfähig zu sein. Ständig gegen den Abstieg zu kämpfen kann auf Dauer kein Ziel sein! Die besseren der besagten Spieler dienen dann in der ersten Liga maximal als Kaderauffüller in einem von besseren ausländischen Spielern dominierten Team, oder müssen noch mehr Zeit investieren, um trotzdem wieder gegen den Abstieg zu spielen.

    Deswegen bedienen sich viele Vereine mit Ambitionen auf Topplätze (zu Recht) vieler Legionäre. Diese sind in Österreich, um Volleyball zu spielen, und stehen dem Trainer fast Rund um die Uhr für Trainings und andere volleyballerische Themen zur Verfügung.
    Das Ziel jedes Trainers/jeder Trainerin darf es nicht sein von Training zu Training mit einer variablen Anzahl der SpielerInnen die Trainings zu gestalten!
    Man darf auch nicht vergessen, dass jedes Trainers Job und das Einkommen von den Resultaten abhängig ist. Nur logisch, dass jeder Trainer/jede Trainerin auf den/die beste(n) im Kader zugreift. Die Herkunft der SpielerInnen spielt weder für den Coach, noch für den Verein eine übergeordnete Rolle.

    Zusammenfassend kann ich sagen, dass die österreichischen Talente den ausländischen von Anfang an um nichts nachstehen, mit den Trainingsmöglichkeiten und der Ausbildung (die in Österreich absolute Priorität hat) geraten allerdings die einheimischen Talente immer mehr in Rückstand. In weiterer Folge ist es in Österreich (momentan) nicht möglich eine Mannschaft in der ersten Liga zu stellen, die um den Meistertitel mitspielt, UND die nur aus Eigenbauspielern besteht.

  • #2

    Heimwerkerking (Mittwoch, 06 März 2019 14:29)

    Es scheint halt so, dass es am Ende doch immer um das liebe Geld geht. Also meine Thesen:

    1) von Zuschauereinnahmen kann ein Verein in der 1. BL nicht leben. Wenn sie einen Star holen und sich auch noch Siege einstellen, kommen vielleicht ein paar mehr.
    2) Sponsoring im Volleyball ist mehr ein "Gönner-Sponsoríng", als wirklich Werbewerte rechnen. Also vielleicht abgesehen vom Hauptsponsor, der im Namen vorkommt.
    3) Förderungen? Meines Wissens hängen die sowohl von Erfolgen, aber viel mehr von Nachwuchsarbeit ab. Sollte zumindest so sein.
    4) gleichzeitig kostet Nachwuchs, und auch "B-Mannschaften". Hallenzeit, Trainerzeit. Besonders bei den Nachwuchsmannschaften wohl nicht rein durch Mitgliedsbeiträge zu finanzieren.
    5) Legionäre bringen Erfolg. Mehr noch, sie ermöglichen einem Verein oft, überhaupt mitzuspielen. Weil sonst müsste man sich halt bei anderen konkurrierenden Vereinen beim Nachwuchs "bedienen". Und dem sind halt Limits gesetzt.

    Also: Legionäre helfen Kosten sparen und ermöglichen oft überhaupt erst, auf dem erstrebten Level mitzuspielen.

    Ja, mit einem Gentlemen-Agreement zur Reduzierung der Legionäre würde man das Niveau - und auch die Quantität - herunterstufen. Weniger Zuschauer oder Kinder im Nachwuchs hätte man dadurch allerdings nicht. Eher mehr, durch bessere Identifikation. Würde das - mit gleichzeitig besserer Öffentlichkeitsarbeit - nicht den Werbewert für Sponsoren steigern?

    ... nur so ein paar Gedanken.

  • #3

    Christoph (Donnerstag, 07 März 2019 21:23)

    Legionäre ja, aber die Anzahl gilt es zu beschränken. Jedenfalls braucht es auch eine Übergangsfrist weil von heute auf morgen gibt es nicht genug heimische Spieler. Und es braucht ein Strategie wie es gelingt mehr Spieler auszubilden bzw. mehr Vereine gut auszurüsten, denen es gelingt Spieler auszubilden und eine Chance zu geben

  • #4

    Christian (Freitag, 08 März 2019 14:19)

    Sehe ich wie Christoph, gut ausgebildete Spieler bekommen wir nur mit gut ausgebildeten Trainern, die auch davon leben können. Eine Idee könnte ja sein hier 2 Legionäre zu erlauben (wie im Handball) und für jeden weiteren Legionär benötigt der Verein zusätzlich einen fix oder teil-angestellten Trainer im Nachwuchsbereich!

  • #5

    Chris Windisch (Samstag, 09 März 2019 07:48)

    Über insgesamt doch 13 Jahre in der 1. BL, habe ich mit vielen Legionären das Vergnügen gehabt und würde die Sache genau wie meine beiden Vorredner sehen.
    Evlt. so regeln: 3 im Kader, 2 am Feld. “Benötigt“ man mehr, sind weitere Leistungen im Nachwuchs (fix angestellte Trainer, Aufbau neuer Mannschaften, ...) zu erbringen.
    Trotzdem bitte nicht auf folgendes zu vergessen: für einen Österreicher kann die heimische Liga max. gehobenes Amateurniveau darstellen. Will man nebenbei etwas fürs spätere Leben tun (Lehre, Studium, etc.) kann man keinem Profitum in sinnvollem Umfang nachgehen und ist für die ersten 2 Teams in AUT auch nicht interessant.
    Der Trainer wird es natürlich nicht gut finden, wenn man öfters beim Training fehlt und man wird sich max. mit einer Rolle auf der Bank abfinden müssen.
    Für die Identifikation wären natürlich mehr regionale Spieler toll, aber wie man z. B. am Beispiel Waldviertel sieht, bekommt man auch über gute Leistungen die Halle bzw. den Sponsorenpool voll ...