Das Wunder von Ried

Als jüngstes Mitglied der DenizBank AG Volley League Men (dritte Saison) bestreitet der UVC Weberzeile Ried aktuell die Halbfinalserie gegen den amtierenden Meister SK Posojinlica Aich/Dob. Vor nicht allzu langer Zeit war das in Ried undenkbar. Im Folgenden wird euch präsentiert, wie die Rieder es schafften, eine ganze Stadt für Volleyball zu faszinieren und welche „Schwierigkeiten“ dem Verein das Projekt Erste Bundesliga bereitete.

 

Mit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga im Februar 2009 unter dem damaligen Head Coach Stefan Nagy sen. war das Ziel für den UVC Ried in den kommenden Jahren klar definiert: „Im oberen Feld der Zweiten Bundesliga konstant mitspielen“. Gleich in den ersten beiden Saisonen 09/10 und 10/11 konnten die Rieder schon die Meistertitel feiern. Die folgenden Meisterschaften hielt man sich wie vorgenommen immer nahe der Spitze. Der Gedanke in die Erste Bundesliga aufsteigen zu wollen/können, war in dieser Zeit bei den Vereinsverantwortlichen rund um Wolfgang Puttinger und Roman Lutz nie ein Thema.

 

Dies ändert sich allerdings im Frühjahr 2016. Die Mannschaft hatte im Grunddurchgang der Zweiten Bundesliga kein Spiel verloren und hatte somit die Chance in der Relegation für den Aufstieg zu spielen. Angeführt von Head Coach Alex Prietzel konnten Stefan Nagy jr., Christoph Berger und Co. am 24.4.2016 im entscheidenden dritten Spiel die SG Union Raiffeisen Bisamberg/hotVolleys bezwingen und somit den wichtigen Schritt Richtung höchste Spielklasse gehen.

 

Dieser Umstand brachte natürlich eine große Herausforderungen für Ried mit sich: Eine regelkonforme Halle. Das Thema Halle war damals und ist heute noch ein sehr umstrittener Punkt. Der UVC Ried hatte sein Relegationsspiele allesamt in Grieskirchen bestritten, was allerdings für eine volle Saison keine Option für den Verein sein würde. Die Rieder Mannschaft wollte die Menschen für Volleyball begeistern, ihnen den Spaß und die Emotionen für diesen tollen Sports näher bringen. Die Vereinsführung wusste: Um das zu schaffen braucht der UVC Ried eine Spielstätte, welche nicht 20 Minuten außerhalb vom Zentrum von Ried liegt.

 

Nach intensiven Überlegungen war klar, die Heimhalle soll die Messehalle 18 werden. Die Idee war schön und gut, doch die Umsetzung zeigte zwei größere Problemfelder auf: Es sind weder Tribünen noch ein Hallenboden vorhanden. Dazu kommt: Ried ist ein gefragter Messestandort und natürlich braucht man die Halle. Also wie soll es möglich sein in dieser Messe-Halle 18 Volleyballspiele im Zeitraum Oktober bis März zu absolvieren? Der erste und wichtigste Schritt war es, die Genehmigung der Rieder Messeverantwortlichen zu bekommen. Als dies geschehen war, musste UVC Ried die Heim-Spieltermine so koordinieren, dass es erstens keine Terminkollisionen mit Veranstaltungen in der Messe gibt und zweitens Termine auch mit dem vorgegebenen Spielkalender des ÖVV im Einklang stehen. Dies war nur möglich indem der UVC Ried, als einziger Verein der Liga, seine Heimspiele in zwei „Termin-Blöcken“ abhält. Der UVC Ried spielt daher sein erstes Heimspiel der Saison erst Mitte November! Alle Vereine werden einmal in die Rieder Messehalle 18 geladen, ehe es für UVC Ried wieder auf eine lange Auswärtsspielreise geht. Abschließend folgt der zweite „Heimspielblock“ Anfang Februar.

 

Ein essentieller Bestandteil zum Absolvieren eines Volleyballspiels fehlte in der Halle aber noch: Die komplette Infrastruktur. Das Feld, das Netz, ein Hallenboden, ... Auf einem schwarzen Betonboden lässt sich nicht gut Volleyball spielen. Um die Halle spieltauglich zu gestalten wird seither ein Terraflexboden vom OÖVV, wie man ihn sonst nur aus Fernsehspielen kennt, aufgelegt. Für das Publikum werden zwei große Tribünengerüste aufgebaut, eine Videowall an die Hallenwand gehängt, eine Dj/Hallensprecher-Insel aufgebaut sowie eine VIP-Area direkt hinter dem Spielfeld errichtet. Und dies muss zweimal im Jahr passieren, da im Frühjahr eine große Automesse in Ried stattfindet. Es muss die Halle im Jänner komplett abgebaut werden, um dann sechs bis acht Wochen später wieder aufgebaut zu werden. Der Auf- und Abbau der Halle erfordert viele fleißige Hände und dauert jeweils zwei bis drei Tage.

 

War die Hallensituation geklärt, konnte der UVC Ried an der Zielformulierung für die erste Saison arbeiten. Das oberste Ziel des Vereins, und dies bis heute, ist „den Volleyball in Ried und in der Region populärer zu machen und zu verbreiten“. Man will, wie bereits angesprochen, diesen attraktiven, tollen Sport den Leuten näher bringen, sie für Volleyball begeistern und ihnen eine tolle Show bei jedem Heimspiel bieten. Um das zu schaffen, wollte man zuerst einmal so viele Leute wie möglich in die Halle bringen. Aus diesem Grund ist in Ried der Eintritt für jedes Spiel gratis. Weiters gibt es bei jedem Heimspiel einen Livestream um auch diejenigen zu erreichen, welche den Weg in die Halle nicht finden. Um die Menschen zu beeindrucken braucht es natürlich noch einen weiteren wichtigen Faktor: eine Mannschaft für die AVL auf dem Spielfeld. Die Zusammenstellung der Mannschaft für die Saison 16/17 war vor allem von der Idee geprägt, möglichst viele „heimische“ Spieler auflaufen zu lassen, um anfangs die Fans so nah wie möglich an den Spielern zu haben. Darüber hinaus wurden mit Johannes Schwarz und Thomas Schober zwei deutsche Legionäre verpflichtet. Sportlich gesehen war das Ziel im ersten Jahr: „Nur nicht absteigen“. Von den Spielern wurde erwartet, dass sie positive und begeisternde Emotionen zeigen, als geschlossene Mannschaft auftreten und sich im Neuland der Liga keines Falls abschießen lassen. Alles war angerichtet für das erste Heimspiel am 19.11.2016 gegen die starken Nordmänner aus dem Waldviertel. „Trotz einer Niederlage wurde bei diesem Spiel bereits klar, dass hier in Ried ein Volleyballhype ausbrechen könnte“, so Mittelblocker und einziger noch bestehender Spieler der Aufstiegsmannschaft, Felix Breit. 

 

Ungefähr einen Monat später war es dann so weit: Vor einer atemberaubender Kulisse (knapp 500 begeisternde Zuseher) konnten die Männer vom UVC Ried im OÖ-Derby die supervolley OÖ aus Enns mit 3:0 bezwingen und somit den allerersten Heimsieg in ihrer neuen Heimstätte feiern. Die erste Saison endete für Ried mit einem souveränen Bestehen der Relegation und somit war klar, dass es Erstligavolleyball ein weiteres Jahr in Ried gibt.

 

Unter dem NeoTrainer Graham Bell begann UVC Ried die Saison 17/18 mit einigen neuen Spielern. Ziel war erneut der Klassenerhalt. Die Saison lief aus sportlicher Sicht sehr ähnlich der ersten ab. In der Abschlusstabelle hatte man wie im Erstjahr drei Siege jedoch statt acht diesmal zehn Punkte, was erneut das an Antreten in der Relegation bedeutete. Da kein Team der Zweiten Bundesliga Interesse zeigte aufzusteigen, war diese Relegation jedoch hinfällig. Das erneute „Übersommern“ mit der „Roten Laterne“ regte die Vereinsverantwortlichen an, alles daran zu setzen, für die folgende Saison Maßnahmen zu setzen, um sportlich einen Schritt nach vorne zu machen. Ganz klar definiertes Ziel war „Nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben!“, auf Deutsch: mindestens Platz sechs im Grunddurchgang.

 

Um dies zu erreichen wurde auf der Trainerbank Dominik Kefer sowie zahlreiche neue Spieler verpflichtet. Die neuformierte Mannschaft rund um die Kapitäne Tomek Rutecki und Florian Schnetzer konnte trotz eines holprigen Saisonstarts dieses Ziel, Platz sechs, übertreffen. Mit Hilfe einer unbeschreiblichen Fankulisse bei den Heimspielen im März 2019 schaffte man es mit zehn Siegen aus 24 Spielen und 31 Punkten auf den nicht für möglich gehaltenen Platz vier der DenizBank AG Volley League Men. Dies heißt eine Playoffteilnahme im Semifinale und einen Europacupstartplatz für das nächste Jahr.  

 

Die vielen positiven Rückmeldungen der Fans bei den Heimspielen, der Zusammenhalt im Verein und die ehrenamtliche Arbeit vieler Vereinsmitglieder, diese Punkte machen laut Sektionsleiter Roman Lutz den Verein UVC Ried aus. Mit den sportlichen Erfolgen in dieser Saison wurde die Volleyballlust in Ried im Innkreis sicherlich nochmal um einiges gesteigert. Die Zuschauerzahlen bestätigen das eindrucksvoll.

 

Nun gilt es, den Schwung aus dieser aktuellen Saison mitzunehmen um eventuell vielleicht noch einen weiteren kleinen Schritt Richtung Spitze in der österreichischen Volleyballliga zu gehen. Und vielleicht schafft man es, sich gemeinsam mit der Politik für Ried im Innkreis auf eine Ballsporthalle für die Zukunft zu einigen, die einen 365 tägigen Spielbetrieb ermöglicht. Nicht nur für den Spitzensport sondern auch für gute Nachwuchsarbeit und mit der Möglichkeit, dass Nationalteamspiele im Innviertel stattfinden könnten. Die Fans würden sich dies verdienen!

 

UVC Ried, ein Verein, der zeigt, was im Sport gemeinsam möglich ist.

 

 

 

 

 

Autor: Fabian Kriener

Fabian ist seit dieser Saison Aufspieler beim UVC Weberzeile Ried und schreibt gelegentlich für "neunmalneun.at".

 

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