Seltsames Volleyball ...

Nach 23 Jahren gibt es immer noch ein paar Dinge in diesem Sport, die mir seltsam erscheinen:

 

Wieso spielen manche Menschen Volleyball und haben ganz offensichtlich Spaß daran, obwohl sie es überhaupt nicht können und kein Ballwechsel länger als eine Sekunde dauert? (Das Wort „Ball-WECHSEL“ ist hier eigentlich schon übertrieben!) Handelt es sich um Pseudosportler? Es gibt doch so viele Spiele, für die man kaum Grundtechniken braucht und dennoch funktionieren …

 

Und weshalb spielt man eigentlich sechs gegen sechs? Warum nicht fünf gegen fünf oder sieben gegen sieben? Und wie würde das Spiel dann aussehen? Fünf gegen fünf ist wohl eher keine gute Idee, die Überlegenheit der Angreifer zu groß. Aber sieben gegen sieben? Vier Spieler am Netz und drei hinten? Viererblock? Oder umgekehrt mit drei vorne und vier hinten? Vor allem bei Spielen in denen Side-Out auf Side-Out folgt denk ich mir oft: „Stellen wir doch einfach noch einen rein!“.

 

Warum spielt man von der Position II zu? Warum nicht von der IV? Wo ist die Logik? Wie hat sich das bewährt? Weil es mehr Rechtshänder gibt und diese normalerweise von der IV besser angreifen? Wie würde unser Sport aussehen, in dem ein Team von der II und das andere von der IV zuspielt? Letzteres hätte sicher den Vorteil des Unorthodoxen auf seiner Seite. Andererseits müsste der – oft eher kleine – Zuspieler das ganze Match lang gegen den Diagonalspieler der Gegenseite blockieren. Kein vernachlässigbarer Nachteil auf hohem Niveau.

 

Wozu braucht man in einem Sport, bei dem sich die sechs Akteure eines Teams auf gerade einmal 81 Quadratmeter verteilen und der Trainer unmittelbar daneben an der Linie steht, bis zu sechs verdammte Auszeiten in einem Satz? Der Volleyballer an sich ist gut genug trainiert um einen ganzen Satz durchzuhalten ohne sich kurz niederzusetzen und taktische Anweisungen können ohne Probleme an der Seitenlinie zwischen den Ballwechseln gegeben werden. Time-Outs – definitiv die überflüssigste Erfindung im Volleyballsport und außer zur Selbstdarstellung des Trainers völlig wertlos.

 

Weshalb rotiert man eigentlich im Uhrzeigersinn und nicht gegen diesen?

 

Wie überflüssig ist es, dass man sich bei der offiziellen Begrüßung das verdammte Dress in die Hose stecken muss und vom Schiedsrichter auch noch ermahnt wird, wenn man es nicht tut?

 

Und warum laufen Volleyballer nach jedem Punkt in der Mitte des Feldes zusammen und hauen sich auf den Arsch?

 

 

Hat schon ein paar seltsame Details unser Sport, findest du nicht?

Wie erklärst du dir diese Eigenheiten?

Und welche sind dir selbst schon aufgefallen?

 

Wir freuen uns über Wortspenden in den Kommentaren.

 

 

 

Autor: Philipp Kroiss, neunmalneun.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kommentare: 4
  • #1

    Marc D. (Montag, 01 Juli 2019 11:31)

    UiUiUi. Du willst uns wohl provozieren. :)

    Auch wenn der Ballwechsel nur kurz dauert kann es den Leuten Spaß machen. Beim Golf freut man sich nach gefühlten 1000 Schlägen auch über einen guten Schlag. Noch dazu wird am Strand im Urlaub die Technik vernachlässigt und das wichtigste in unseren Sport rückt in den Mittelpunkt. Spiel den Ball" volley", also aus der Luft. Was man da an Einsatz sieht, um den Ball im Spiel zu halten ist schon großartig...

    Warum spielt man 6 vs. 6? Ist eben so entstanden. Warum spielt man beim Fußball 11 vs. 11? Egal, oder?

    Zuspielen von der 2? Da gibt es in einem meiner Bücher im Regal ein ganzes Kapitel drüber. Das "Southpaw"-System. Kann ich dir gerne mal ausleihen. Das Buch ist von 1988, also kein ganz neuer Gedanke....

    Auszeiten sind ein bewährtes taktisches Mittel im Spiel. Wenn man sie richtig verwendet haben sei einen großen Wert für den Coach. Ich hoffe du meinst das nicht ernst mit der Selbstdarstellung der Trainer. Die beiden Technical Timeouts finde ich auch eher nervig, aber die sind dem Fernsehen geschuldet. Wäre durchaus eine Überlegung wert, dafür den Teams jeweils eine wegzunehmen...

    Das mit dem Zusammenlaufen hat sein Anfang meines Wissens in Brasilien (Vielleicht irre ich mich da auch) Für mich steht aber fest, dass dieses Ritual einen hohen Wert für den Teamgedanken und psychologische Prinzipien der Gruppendynamik haben. Beeinflusst wird davon auch die Wahrnehmung der Gruppe von Außen, was durchaus auch einen Einfluss hat. Man kann sich aber auch Küssen, anstatt sich auf den Arsch zu hauen... ;-)

    Ich stelle eine weitere Frage: Warum ist die Deckenberührung nicht in allen Wettbewerben erlaubt? Stört sie das Spiel? Hat man einen Vorteil? Ist sie ein Relikt aus alten Tagen?

    LG und schönen Sommer.....

  • #2

    Olaf (Montag, 01 Juli 2019 22:07)

    bzgl. Southpaw und der Aussage "Andererseits müsste der – oft eher kleine – Zuspieler das ganze Match lang gegen den Diagonalspieler der Gegenseite blockieren. Kein vernachlässigbarer Nachteil auf hohem Niveau". Das stimmt deshalb so nicht, da ja dann vice versa der eigene Diagonalspieler auch gegen den Block des gegnerischen Zuspielers angreift.

  • #3

    Christian S. (Dienstag, 02 Juli 2019 07:51)

    Also ich hätte auch noch ein paar Seltsamkeiten:
    Warum umrundet eine Mannschaft nach Satzende sein Feld? Man stelle sich das beim Fußball oder Handball vor? Was liegt da dahinter? Nur damit man dann auf der richtigen Seite steht (was für Taschen, Getränke nicht gilt...)?
    Warum gibt es 4 Abstufungen von Verwarnungen/Bestrafungen? Die Fußballer kommen auch mit 2 bzw. die Handballer mit 3 aus!
    Warum sind im Volleyball - im Gegensatz zu anderen Mannschaftsballsportarten - Gesänge/Chants der Teams, wo sich diese ständig selbst anfeuern bzw. ein Ass feiern so weit verbreitet? Zumindest hätte ich so etwas - ausgenommen ist der Haka beim Rugby, in nzl, noch nicht in dieser Breite wahrgenommen. ( Ich stelle mir jetzt gerade den FC Barcelona vor, wo dessen Mitspieler ein Freistoßtor von Lionel Messi mit Ass, Ass, Ananas,... bejubeln...)

  • #4

    Heimwerkerking (Mittwoch, 03 Juli 2019 09:49)

    zuersteinmal vielen Dank für diesen netten Artikel und die Kommentare darunter - konnte richtig schmunzeln!

    Meine Bemerkungen:

    - Zuspiel von der 4: klar, würde das verwirren. Dann sind auch endlich mal die Linkshänder in der Mittelblock/-angreiferposition gefragt! Denn die sind derzeit in der Minderheit.
    - "Wieso spielen manche Menschen Volleyball und haben ganz offensichtlich Spaß daran, obwohl sie es überhaupt nicht können und kein Ballwechsel länger als eine Sekunde dauert?" Dass sie ganz offensichtlich Spaß haben, sehe ich nicht so. Das sieht man im Schulsport. 1. Turnstunde, 1. Klasse HTL, "Einführung ins Volleyball": 2 könnens gut, weil Vereinsspieler. 8 habens schon mal einen (Plastik-)Ball am Strand gepritscht. 5 können gar nix damit anfangen. Außerdem sinds 15 Leute, also 3 zu viel. Da kommt schon gar nix dabei raus, außer der Lehrer erzwingt ein Aneignen einer Basistechnik für die nächsten 2 Monate. Viel Herumstehen, heruntergefallene Bälle, beleidigte Fingerspitzen. Wenn dem Lehrer natürlich Übungsspiele einfallen (Baggerlauf etc.), könnte der absolute Frust vermieden werden. Dazu benötigt es aber einen Turnlehrer mit Knowhow und Wille. Vergleich Fußball: 3 Vereinsspieler, 5 Pausenhofkicker, 5 können den Ball irgendwie kicken oder zumindest laufen, 2 total unsportlich und unwillig. Je nach Feldgröße 2 oder 3 faire Teams, ein Ball, und es kommt ein Spiel zustande. Man hat sich bewegt, ist eventuell sogar ausgepowert, und die Verletzungen auch nicht schlimmer als beim Volleyball.

    Was ich damit sagen will: damit ein Spiel, das man auch so nennen kann, zustande kommt, ist beim Volleyball eine Hürde zu nehmen. Die gibts nicht beim Fußball, Landhockey, Handball und Basketball. Es gibt viele Vorteile des Volleyball-Sports (z.B. keine direkte Berührung mit Gegner). Aber um den Sport noch mehr als "Buben-Schulsport" zu etablieren, benötigt man bessere Anleitungen für Lehrer. Z.b. unterhaltsame Spielformen, die Technik beibringen und trotzdem Wettbewerbscharakter haben.

    ... just my 5 cents.