Darf ein Schiedsrichter ein Mensch sein?

 

Im Fußball ist es schon lange üblich, im Volleyball kommt es schön langsam in Mode: Spieler, Trainer und Fans haben schnell den Grund für ein verlorenes Spiel gefunden – ganz klar, der Schiedsrichter war schuld. Denn hätte der nicht diese eine oder gar zwei oder drei gravierenden und offensichtlichen Fehlentscheidungen getroffen, wäre selbstverständlich ALLES ganz anders gekommen.

 

Echt jetzt? Ich halte das für peinlich, feig und kontraproduktiv.

 

Peinlich, weil eine Mannschaft in einem Spiel, abhängig natürlich von Länge, Satzanzahl und Niveau, wohl so 20 bis 40 Fehler macht. Angreifer hauen den Ball in den Block, Aufschläger gefühlte Dutzende Service ins Out oder Netz, Zuspieler verstellen komplett, Verteidigungsspielern reißt die Annahme ab, einfachste Dankebälle gehen auf 3 Meter oder gar zum Gegner und so weiter.

 

Und ist das jetzt eine Kritik an den Spielern? Na selbstverständlich nicht. In jedem Sport machen die Ausübenden Fehler, weil sie – genau, Menschen sind und keine Roboter. Und Volleyball ist ein schneller, komplexer Sport – da keine Fehler, auch in größerer Anzahl, zu machen, ist komplett unmöglich. Fehler sind Teil des Spiels, das deswegen trotzdem hochattraktiv bleibt.

 

Jaaa – und der Schiedsrichter? Der darf natürlich keine Fehler machen. Darf kein Mensch sein. Und verantwortlich für die Niederlage sind selbstverständlich nicht die 25 Servicefehler, die die Mannschaft gemacht hat, sondern ganz klar der eine Fehler (wenn‘s denn überhaupt einer war, diese Vorwürfe entspringen ja oft mehr der Hilflosigkeit), den der Schiedsrichter zu Satzende gemacht hat.

Peinlich.

 

Feig, weil es jedes Mal feig ist, wenn die Masse – in welcher Form auch immer, hier als Fans oder Mannschaft – auf Einzelne losgeht. Immer. Einfach nur feig.

 

Und kontraproduktiv aus mentalen Gründen. Es ist mittlerweile erwiesen, dass negative Emotionen dafür sorgen, dass man Aufgaben schlechter erledigt. Und Ärger, Wut, Sich-Aufregen sind negative Emotionen. Im Sport ist das zum Beispiel im Tennis als Einzelsport sehr gut sichtbar. Der Spieler, der sich dort ärgert, aufregt, jammert, meckert … wird davon nicht besser, sondern mehr oder weniger deutlich schlechter. Auch jeder Amateur-Tennisspieler weiß das. Deshalb sind die Besten meist die, die das im Griff haben.

 

Und im Volleyball? Ist es genauso. Sich aufregen, beschweren, schimpfen … bringt einen aus der Konzentration. Oft sogar eine ganze Mannschaft. Und ohne Fokus darauf, wofür ein Spieler auf dem Feld steht, nämlich sein bestes Volleyball zu spielen, um zu gewinnen – na ja, wird das eigene Spiel ziemlich weit weg vom „besten Volleyball“ sein.

 

Also – ist es wirklich nötig, bei jedem scheinbaren oder echten Fehler eines Schiedsrichters die Arme im Zorn emporzureißen, zu schimpfen, sich aufzuregen, auf den Schiedsrichter loszustürmen, zu diskutieren, seiner Aggression freien Lauf zu lassen? Ja? Warum? Oder eh nicht?

 

So – das war jetzt ein wenig provokant, oder? Natürlich mit Absicht.

Was meint ihr zum Thema Schiedsrichter? Wie immer freuen wir uns sehr auf eure Diskussionsbeiträge.

 

Autor: Armin Fluch, neunmalneun.at

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Heimwerkerking (Montag, 22 Juli 2019 10:07)

    Dazu ein Spruch aus dem Fußball, wo der Trainer Ewald Lienen sagte: "Wir haben nicht das Recht, jede Entscheidung des Schiedsrichters zu kommentieren. Der lacht sich ja auch nicht tot, wenn wir einen Fehlpass spielen". Ist was wahres dran ;)